Verkehrsministerium rechnet Klimaschäden durch Fernstraßen-Bau klein – BUND- und Greenpeace-Analyse: CO2-Ausstoß doppelt so hoch

Beim Neu- und Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen entstehen deutlich mehr CO2-Emissionen, als der Umweltbericht zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 ausweist. Das zeigen Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer gemeinsamen Analyse. Sie wertet Informationen zu den einzelnen Fernstraßenvorhaben aus dem Projektdossier des BVWP 2030 aus und addiert die dort hinterlegten Klimabewertungen aller etwa 600 Fernstraßenprojekte des sogenannten vordringlichen Bedarfs. Demnach liegen die CO2-Emissionen dieser Projekte bei über einer Million Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr – doppelt so viel, wie der Umweltbericht zum BVWP 2030 ausweist. Dortige Angaben gehen von lediglich 545.000 Tonnen jährlich aus.

Zudem ignorieren die Klimabewertungen des BVWP 2030 relevante Emissionsquellen: etwa steigenden Lkw-Verkehr, der durch neue Autobahnen entsteht, oder den Verlust von CO2-speichernden Senken, etwa durch die Entwässerung von Mooren. Insofern ist auch die Analyse von BUND und Greenpeace noch konservativ. Beide Verbände fordern Bundesverkehrsminister Volker Wissing auf, die Planung der Verkehrsinfrastruktur an den Klima- und Naturschutzzielen auszurichten.

Nach Analyse von Greenpeace und BUND beruhte die Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplans durch den Deutschen Bundestag 2016 auf einer falschen Berechnung der Emissionen. Hinzu kommt, dass entscheidende Anteile der Emissionen durch den Bau weder im Umweltbericht noch in den Projektdossiers bisher ausreichend berücksichtigt worden sind. Zudem würden allein durch den Bau der vordringlichen Fernstraßenprojekte über 13.000 Hektar Fläche verbraucht, 250 Natura-2000-Gebiete würden möglicherweise und 87 wahrscheinlich erheblich beeinträchtigt, auf rund 1000 Kilometern würden bisher zusammenhängender Großtier-Lebensräume neu zerschnitten.

Link zur ausführlichen Analyse “Fernstraßenbau und Klima – Auswirkungen des Bundesverkehrswegeplans 2030 & Defizite der Berechnung seiner Treibhausgasemissionen”